theaterelch

Christian Probst

Bern, Schweiz
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Berner Zeitung - 13.10.2001

Gesehen: Schnörkel und Linien

Noëmi Gradwohl

Zuerst fällt das Licht auf. Im Berner Münster scheint es fahl von draussen in den dunklen Innenraum. Die Schnörkel der Rosetten-Fenster heben sich hell vom Hintergrund ab. An der Decke setzen sich die Muster fort. Verspielt, lieblich.

Als die vier Personen aus Sarah Kanes Stück «Gier» in einer Reihe auf den Kirchenbänken Platz nehmen, machen sich die strengen Linien der parallel angeordneten Sitzbänke bemerkbar. Diese Linien konkurrenzieren mit der Verspieltheit der Muster.

Erst als die Personen zu sprechen beginnen, entstehen erneut Schnörkel. Nicht lieblich diesmal, schrecklich. Chaos macht sich breit, das Chaos der Erinnerungen. Langsam quälen sich die Ängste, die Träume aus den Mündern der Anwesenden, winden sich ihre alles andere als linearen Lebensläufe im Dunkel des Gotteshauses.

Den düsteren Text der freiwillig aus dem Leben geschiedenen britischen Dramatikerin Sarah Kane im Berner Münster zu hören hat seinen Reiz. Und doch ist die Linearität bei der Produktion des Theater Elch in der Inszenierung von Michael Oberer ein Problem: Während der ganzen Zeit sitzen die Gestalten ohne szenische Steigerung nur da. Das trägt auf Dauer nicht. Hier hätten mehr Schnörkel und Windungen in der Spielweise gut getan.

Weitere Vorstellungen: bis 28. 10. Reservation: Münstergass-Buchhandlung.


· Gier

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