theaterelch

Christian Probst

Bern, Schweiz
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Der «Bund» - 11.1992
Berner Zeitung - 11.1992
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Der «Bund» - 11.1992

Prinzessin Maleines Malheur

wbu. Nachdem sich der Chor und das Orchester der Universität dauerhaft etabliert haben und den Studierenden gelegenheit geben, auf hohem Niveau und angeleitet von professionellen Kräften ihr Hobby zu pflegen, ist nun - rechtzeitig zum Lehrbeginn am theaterwissenschaftlichen Institut, aber ideell unabhängig das «Berner Studentlnnen-Theater» ins Leben gerufen worden. Auch es, so zeigt die erste Produktion, verpflichtet sich einem soliden handwerklichen Standard; für die Zukunft dürften sich deshalb interessante Entwicklungsmöglichkeiten öffnen.

Was die zahlreichen Beteiligten im Dachstock des Universitätsgebäudes als erste Produktion präsentieren, lässt in dieser Hinsicht hoffen. Mit Maurice Maeterlincks symbolistischem Drama «Prinzessin Maleine» - von Regisseur Christian Probst in Szene gesetzt - sieht sich das Publikum einem Spiel gegenüber, das Langeweile kaum je aufkomrnen und den Entstehungsprozess der theatralischen Illusion gewissermassen sichtbar werden lässt.

In gut durchdachtem Bühnenbild, überzeugenden Kostürnen und klug beleuchtetetem Raum verkleinern die Agierenden eine (dem Regisseur vertraute) Stadttheater-Ästhetik gewissermassen ins Taschenformat.

Dass dabei die grossen Gefühle des Dramas ebenso verkleinert werden und das Spiel deswegen ab und zu unfreiwillig ins Komische kippt, nimmt man in Kauf. Hingegen lenken die durchaus stimmige, aber viel zu aufdringliche Musik und die eher parodistisch wirkenden Geräusche unverhältnismässig vom eigentlichen Handlungsgang ab.

Die Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler ist unterschiedlich - man(n) wagt die Behauptung, dass von den weiblichen Mitgliedern des Ensembles auffallend Besseres zu sehen ist als von den männlichen.

Dass sich Maeterlincks Drama mit seinen subtilen Stimmungsvaleurs hingegen für alle als zu anspruchsvoll erweist, stellt man mit Bedauern fest, da die künstlerischen und technischen Voraussetzungen der Truppe für auf allen Ebenen glaubwürdiges Spiel durchaus vorhanden wären. Oder kurz gesagt: überzeugendes Debüt eines hochklassigen Ensembles mit dem falschen Stück.


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