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Ansager - 31.10.2002
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«Habgier» Der Markt frisst Menschen und die Menschheit auf
Ein grosses Ziel: Das Theater Elch lädt zu einem Projekt ein, dass die Bühne als «Universaltheater der Niedertracht» bezeichnet. «Habgier» heisst das Stück, und die Berner Theaterformation möchte damit nichts Geringeres, als die Geschichte unseres Gesellschaftssystems erzählen. Mit einer selbst zusammengestellten Collage will man das erreichen, mit politischen, literarischen, philosophischen und wirtschaftlichen Texten. Dem Publikum steht eine Zeitreise durch 400 Jahre bevor, von den Urvätern des Liberalismus bis zu den neoliberalen Wüterichen der 90er-Jahre. Das Elch-Theater will Stellung beziehen. «Wir wollen zeigen, dass die gesellschaftliche Gewalttätigkeit ihren Ursprung in einem katastrophalen Menschenbild hat», schreibt die Formation. Der Markt und dessen unbarmherzige Regeln seien schuld an unserer Misere, glaubt das Elch-Team. Der Wirtschaftstheoretiker Milton Friedman hat gefordert, dass man «den Leuten das liberale System einbleut, bis sie an nichts mehr anderes glauben». Das Theater Elch hingegen will seinem Publikum gemäss Eigenaussage was anderes einbleuen - dass dieses System die Hölle sei. Für die Konzeption des Stücks sind Christian Probst und Michael Oberer verantwortlich. Begleitet werden die Darsteller und Zuschauer durch die Musiker der Gruppe Herpes Ö DeLuxe. Letztes Jahr hat das Theater Elch im Berner Münster «Gier» gezeigt. Das Werk der früh verstorbenen englischen Autorin Sarah Kane kam im Gotteshaus in einer kargen, hörspielartigen Inszenierung heraus. Auch dieses Jahr arbeitet Elch in einem besonderen Raum, im «Metallgarten» nämlich. Hier in der ehemaligen Verzinkerei Worb beim RBS-Bahnhof hat der Eisenplastiker Roger Bertsch sein Atelier.
pst
Metallgarten Worb. 7. bis 1 0. Novernber, 20.00
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