theaterelch

Christian Probst

Bern, Schweiz
Kontakt: info@theaterelch.ch


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Basler Zeitung 7. August 2005

Verfluchter Tod

Theater auf dem Friedhof am Hörnli

Aleksandar Radic. Die Theatergruppe "elch" gastiert mit dem Stück "Der ackermann aus Böhmen" von Johannes von Tepl in Basel.

Die Letzten Sonnenstrahlen des Tages trägt das Publikum im Gesicht, Geschlossen das Tor hinter sich lassend, folgt es den Kerzen bis zu der wiese inmitten der Ruhestätten, in Händen ein Couvert für die Kollekte. Eintritt dürfen die Veranstalter nicht verlangen, aus Rücksicht auf den Aufführungsort darf das Publikum nicht applaudieren. So haben vor einem Jahr in Bern die Behörden entschieden. Über ein Jahr kämpften Christian Probst und Michael Oberer, um eine nehochdeutsche Fassung des frühhochdeutschen Textes in Bern auf dem Friedhof aufführen zu können. Das Polizeiinspektorat sah die Totenruhe gestört, der Regierungsstatthalter erlaubte eine Aufführung mit Auflagen, die bei Gastspielen in Zürich und Basel auch befolgt werden.

RUHE. Hinter dem versiegten Brunnen ruht eine Baumwelt. Davor ist der Ackermann aus Böhmen (Alexander Muheim) in sich versunken. Bevor überhaupt Worte gesprochen werden, bündelt eine himmlische Musik die Aufmerksamkeit der Gäste. Klare Klänge von Mich Gerber am Bass und Pit Hertig an der Perkussion vertreiben die letzten noch schnell hingeflüsterten Worte zwischen den Sitzbänken. Nur noch Vogelgezwitscher ist zusätzlich zu hören, und dann doch plötzlich ein Rauschen hinter aller Rücken, dort, wo die Gräber liegen. Erleichtert erkennt das Ohr nach kurzem Schreck die Sprinkleranlage, Wassertöne fliessen in die Musik ein, die den Disput, der folgt, begleiten wird.

Den Verlust seiner geliebten Frau beklagt der Ackermann, verflucht den Tod als den schändlichen Ächter aller Wesen. Zunächst nur als Stimme wahrnehmbar, löst der Tod sich von den Bäumen und kommt immer näher. Auf die breiten Schultern von Udo Thies lässt er die Klagen des Ackermanns niederprasseln. Mit dem stolzen Bewusstsein seiner Aufgabe führt er die Eitelkeit allen menschlichen Tuns vor, das vergänglich sei wie der Tag der gestern vergangen ist.

TROST. Das konzentrierte Gesichtsspiel des Ackermanns spiegelt die Worte des Todes wieder, in seinem Klagen lässt er sich jedoch nicht beirren, fragt den Tod um Rat, wohin er mit seinem Kummer soll, tröstet sich damit, seine tote Frau in seiner Erinnerung bewahrt zu wissen. Die Stimme Gottes, die nur eine Stimme bleibt, vom Band aus gesprochen, urteilt über den hartnäckigen Disput. Sie gibt dem Ackermann die Ehre, doch dem Tod den Sieg.

Auf der Wiese haben Scheinwerfer die Sonne längstens schon abgelöst, und in ihrem nun auch schwindenden Licht fügt der Ackermann sich mit einem Gebet in sein Schicksal. Der Tod geht von dannen ins Dunkle zurück. Kerzenlicht führt das Publikum in Stille zum Ausgang. Was wer denkt bleibt hinter den Gesichtern verborgen.

Friedhof am Hörnli, 10/11. und 15. bis 18.8. Besammlung beim Eingang Grenzacherweg. Reservationen: 031 312 05 25 (7.30 bis 17Uhr) oder www.theaterelch.ch


· Tod

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