theaterelch

Christian Probst

Bern, Schweiz
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Berner Zeitung - 14. August 2004

Brillanter Dialog mit dem Tod

Theater auf dem Friedhof? Nach langem Hin und Her wird das Stück «Der Ackermann aus Böhmen» nun tatsächlich auf dem Bremgartenfriedhof aufgeführt. Das ungewöhnliche Experiment hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Er sei ja wirklich ein kluger Esel, meint der Tod zum Ackermann. Wo denn dass hinführen würde, wenn nicht jedes Lebewesen sterben müsste. Vor lauter Mücken wüsste man sich kaum zu wehren, so viele Wölfe würden durchs Land ziehen, dass sich niemand mehr ins Freie wagte, die Menschen würden sich gegenseitig auffressen, weil sonst die Nahrung fehlte und auf der Erde wäre kaum noch Platz. Doch der Ackermann aus Böhmen lässt sich von solchen Spitzfindigkeiten und Spöttereien nicht beirren. Er verflucht den Tod, wünscht ihn in die Hölle, weil er ihm seine Frau, seine «ausgewählte Turteltaube arglistig entfremdet» habe.

Der böhmische Schreiber und Notar Johannes von Tepl schrieb den «Ackermann» im Jahr 1401, nachdem seine Frau Margaretha im Kindbett gestorben war. Die Wut und Verzweiflung des Trauernden sind im ungewöhnlichen Text ebenso prägend wie die Lust am Disput, an der Sprache, am Spott.

Strenge Auflagen Dieses abgründige und wortgewaltig brillante Zwiegespräch zwischen dem Ackermann und dem Tod aus dem mittelalterlichen in verständlicheres Deutsch zu übertragen und in etwas geraffter Form als Theaterstück zu inszenieren, ist ganz gewiss keine schlechte Idee. Der Ort, den sich das Theater Elch für «Der Ackermann aus Böhmen» ausgesucht hatte, gab allerdings Anlass zu langem Hin und Her. Nur mit strengen Auflagen und mit einem Jahr Verzögerung erhielten die Theaterleute die Bewilligung, Tod und Ackermann unter der Blutbuche des Berner Bremgartenfriedhofs auftreten zu lassen. Theater also quasi am Tatort, prinzipiell nicht die schlechteste Form, Theater näher ans Publikum zu bringen. Ob es allerdings angebracht ist, frische Gräber und die Trauernden, die an einem Grab Blumen richten oder eine Kerze anzünden, zur Kulisse für ein Theater zu machen, das kann man sich dennoch zu Recht fragen. Umso mehr als das Stück und die Inszenierung von Michael Oberer den Kitzel des ungewöhnlichen Ortes – der noch so ernsthaftes und seriöses Theater letztlich zum Teil der Eventkultur macht – gar nicht bräuchte.

Bewegender Disput

Karg, aber wirkungsvoll hat Oberer mit den beiden Schauspielern Alexander Muheim (Ackermann) und Udo Thies (Tod) den «Ackermann aus Böhmen» umgesetzt. Mit reduzierter Gestik und wenigen, gut kalkulierten Positionswechseln wirkt vor allem die Sprache, der bemerkenswert bewegende, wie gelehrte Disput zwischen Ackermann und Tod. Was trotz guten schauspielerischen Leistungen etwas spröde wirken könnte, wird durch die traurig-schöne, atmosphärische Musik von Mich Gerber und Pit Li geschmeidig gemacht und sehr bewegend.

Auch wenn die verordnete Stille zum Schluss nicht nur dem Ort der Aufführung angemessen, sondern auch eindrücklich ist (falls nicht grad ein Helikopter beim Inselspital startet), Michael Oberer hätte für seine Inszenierung, Alexander Muheim und Udo Thies hätten für die Darstellung von Ackermann und Tod und das Duo Mich Gerber/Pit Li für die Musik einen schönen Applaus verdient.

Weitere Vorstellungen: 16. bis 20. und 23. bis 27.8., jeweils 20.30h bei der Endstation Bus Nr.11, Güterbahnhof Bern. Reservationen: 031 312 05 25.

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