theaterelch

Christian Probst

Bern, Schweiz
Kontakt: info@theaterelch.ch
8.11.2002 · 15.10.2001

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Blick - 8.11.2002

Auf der Bühne kracht die Wirtschaft zusammen

BERN - “Habgier”, auch “Universaltheater der Niedertracht” - ist ein Titel, den niemand versteht. Aber die Textcollage von Christian Probst (36) und Michael Oberer (50) zur Entwicklung des Wirtschaftsliberalismus seit 300 Jahren, versteht jeder. Denn es geht um Reich und um Arm.

Uraufführung war am Donnerstag im Metallgarten in Worb bei Bern, es ist ein Projekt des «Theater Elch».

Manager - oder sind es Musiker - lesen Zitate von der Lehre des Neoliberalismus vor. Sie stammen von den Philosophen John Locke (1632-1704) und Jeremy Bentham (1748-1832); dem Wirtschaftsphilosophen und Begründer des Wirtschaftsliberalismus, Adam Smith (1723-1832), und dem Evolutionstheoretiker Charles Darwin (1809-1882). Kern der Zitate: Die Einteilung der Menschen in Reich und Arm, in Herrscher und Beherrschte.

Während des Zitierens beschäftigen sich die drei Manager mit dem Aufrichten ihrer Tonanlage mit Verstärker und Mischpult. Die Zitate klingen immer mehr wie die Gebote einer mächtigen Wirtschaftsreligion. Schliesslich kracht alles laut in einem musikalischen Chaos zusammen. Gerade so, wie jetzt der gepriesene Neoliberalismus zusammengebrochen ist. Das ist deutlich.

Das Publikum verlässt die Aufführung nachdenklich. Die Aussicht auf eine Zweiklassengesellschaft mit wenigen Superreichen an der Sonne und armen Schluckern unten im Nebel ist nicht verlockend. Ob das gespenstische Bild auch die letzte Wahrheit ist? Ein Wirtschaftspragmatiker würde antworten: Nein.

WALO VON FELLENBERG

Nächste Vorstellung: Worb, Metallgarten, nur noch heute und morgen 20 Uhr. 2003 ist eine Tournee geplant.


· Habgier

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