Basel. Ort des theatralischen Geschehens war der Friedhof am Hörnli (Eingang Grenzacherweg nicht etwa beim Haupteingang). Zwischen flackernden Öllichtern liefen die etwa fünfzig Besucher und Besucherinnen zu einem Platz, der auf drei Seiten von hochgewachsenen Bäumen und Sträuchern begrenzt war. Nach vorne etwas abgesetzt ein kurzes Mauerstück und ein Brunnentrog. Auf der rechten Seite war für die beiden Musiker Mich Gerber, Kontrabass, und Pit Hertig, Perkussion, ein kleines Zelt aufgestellt worden. die Zuschauer sassen auf Holzbänken. Scheinwerfer und Beleuchtungskörper zu ebener Erde leuchteten die Szene an. Über allem ein wolkenloser herrlicher Abendhimmel.
Gespielt wurde eine der bedeutensten Dichtungen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, die aus 34 Kapiteln bestehende Prosadichtung "Der Ackermann aus Böhmen" von Johannes von Tepl. Geschrieben wurde sie im Jahr 1401 und wirkt seiner Gelehrsamkeit, seines Gedankenreichtums und seiner unerhörten Sprachkraft wegen auch heute noch so frisch und aktuell wie vor 650 Jahren.
Streitgespräch über das Leben, die Vergängichkeit und den Tod
Packend und von bohrender Intensität dieses Zwiegespräch zwischen dem Ackermann, verzweifelt über den Tod seiner Frau, und dem personifizierten Tod. Nachdem der leidende Mensch seine Wut, seinen Schmerz und seine Not in immer neuen Anläufen dargelegt und auch hinausgeschrien hatte, wandte er sich an Gott mit der Bitte, seinen Gegner, den Tod, zu vernichten. Das war der Augenblick, in dem sich der Tod gegenüber dem Ackermann in seinem Wesen und mit seiner Aufgabe definierte.
Das intensive und oft heftig geführte Gespräch überschreitet das Persönliche und thematisiert Allgemeines, Gegensätzlichkeiten im Dasein des Menschen, - hier das Elend und dort das Erhabene, das Schöne. Vollkommene neben dem Hässlichen und Profanen. Auf das Ende hin spricht der Ackermann in der Vereinigung von Körperlichkeit und Geistigkeit vom gottähnlichen Menschen als Krone der Schöpfung.
Der Tod, der des öftern erwähnt, dass er nichts sei und doch etwas, gewinnt immer wieder, oft ironisch oder schroff, mit seinen sprichwörtlichen und sentenzenhaften Reden eine starke Präsenz in der Sprache. der Schluss der Dichtung erreicht die Form eines tröstlichen Gebetes.
Hauptwirkungsstätte des Autors Johannes von Tepl war die die oberhalb der Eger gelegene Stadt Saaz. Dort ist er schon 1378 als Notar und als Leiter der örtlichen Lateinschule hervorgetreten. In diesen Funktionen und als Stadtschreiber gehörte er zur stätdischen Elite. Er korrespondierte mit bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit und war ein Meister der Rethorisch geformten Rede.
Eine eindrückliche Inszenierung
Die "Theatergruppe Elch", geleitet von Christian Probst, präsentierte in der Regie von Michael Oberer eine vorzügliche Inszenierung. Alexander Muheim als Ackermann und Udo Thies als Tod schufen mit ihrer ausdrucksstarken Sprach- und Gestaltungskraft eine Aura von zeitgemäss gültiger Stimmigkeit. Unaufdringlich, subtil und mitgestaltend die Musik.
Weitere Vorstellungen: heute, morgen und vom 15. bis 18. August jeweils um 20Uhr30 (bei schönem Wetter). Dauer eineinhalb Stunden.