Rotgolden liegen die letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf den Bäumen des Ausserbergs. Davor ein Abhang, eine Wiese, ein stillgelegter Brunnen. Eine Kulisse, wie sie kaum geeigneter sein könnte, um das Streitgespräch zwischen dem Ackermann aus Böhmen und dem Tod, geschrieben von Johannes von Tepl um 1400, zur Aufführung zu bringen. Wer bei der Inszenierung der Gruppe "theaterelch" aufgrund des aussergewöhnlichen Spielorts etwas Schauerliches oder Gruseliges erwartete, wurde enttäuscht. Dagegen boten der Ort und die Tageszeit einen Rahmen grösster Ruhe und Konzentration, sich einem Thema zu öffnen, über das zu sprechen sechshundert Jahre nach Tepl wohl eher schwieriger als leichter geworden ist.
In sich zusammengesunken, sitzt der Ackermann aus Böhmen, der eigentlich Schriftsteller ist - "die Feder ist mein Pflug" -, auf dem Brunnenrand. Das Liebste hat ihm der Tod genommen, seine Frau, sein "lichter Stern am Himmel". Blind vor Schmerz, klagt er den Tod an, verflucht ihn in wortgewaltigen Kaskaden. Zunächst nur als Stimme zu vernehmen, tritt dieser hinter den Bäumen hervor, gibt sich stolz und unnahbar. So heftig angefochten zu werden, sei er sich nicht gewohnt. Er rühmt sich gnädig und gerecht zu sein und schimpft den Ackermann einen Esel. Dieser hingegen spricht ihm die Urteilskraft ab, denn er der Tod habe nie geliebt.
So tobt die Rede hin und her. Angriffig, klug, hintersinnig, spöttisch. Keiner will von seinem Standpunkt ablassen, zwei Kampfhähne in einem Wortgefecht, in dem es um nicht weniger geht als um Leben und Tod. Einen Kontrast dazu bildet der feine Klangteppich während und zwischen den einzelnen gesprochenen Passagen. In den Melodien von Mich Gerber (Kontrabass) wird die Totenklage schwerelos, die schläge der Schamanentrommel (Pit Hertig) lassen an das Pochen eines riesigen uralten Herzens denken.
Schliesslich wird Gott zum Richter berufen, die beiden Zerstrittenen lassen halbwegs versöhnt voneinander ab. Im Rücken des Publikums hat sich fast unbemerkt die Nacht über die Ebene gelegt. Am Himmel steht der Mond. Eine feine Sichel, daneben eine besonders heller Stern. Sybille Meyrat
15. bis 18. August. Besammlung jeweils um 20.30 Uhr am Friedhofeingang beim Grenzacherweg. Eintritt frei Kollekte. Reservierungen: Tel. 031 312 05 25 (7.30 bis 17 Uhr) oder über Internet: www.theaterelch.ch. Bei starkem Regen findet keine Aufführung statt.