Der Ackermann streitet mit dem Tod
Schorenfriedhof - Eine berührende Theateraufführung findet gegenwärtig auf dem Schorenfriedhof in Thun statt. «Der Ackermann aus Böhmen» ist ein Streit- und-Trost-Gespräch über den Tod.
Im Stück der «Der Ackermann aus Böhmen», das zurzeit auf dem Schorenfriedhof in Thun zu sehen ist, spielen zwei Schauspieler und zwei Musiker. Es ist eine ruhige, nachdenklich stimmende Geschichte, die sie als Streitgespräch erzählen. Der Ackermann, der seine Frau im Kindbett verloren hat, klagt den Tod an. Er bezichtigt diesen als Mörder und gefährlichen Verbrecher, wirft ihm Ungerechtigkeit vor und kann sich ein Leben ohne seine Liebste nicht vorstellen.
Diese Kampfansage bleibt nicht unwidersprochen, der Tod pariert den Angriff. Der Tod will mit vernünftigen Argumenten den Ackermann vom ewigen Kreislauf von Leben und Tod überzeugen. Doch dieser wehrt sich für seine Liebe, seine Freude, seine Ideale, letztlich für den Sinn seines Lebens. So wogt das Gespräch hin und her. Hier der stolze herrische Tod, da der von Trauer erschütterte und gleichzeitig zornige Ackermann. Keiner vermag den andern zu überzeugen. Erst als sie Gott als Richter anrufen, zeigt sich, dass keiner von beiden recht hat. Gott allein bestimmt über Leben und Tod.
Beeindruckend und aktuell
Das Stück «Der Ackermann aus Böhmen» wurde von Johannes von Tepl geschrieben und datiert von 1401. Viele der Gedanken des Ackermanns oder des Todes sind jedoch allgemein gültig oder sogar sehr aktuell. Einzig die Sprache weist auf das Alter des Stücks hin. Die beiden Schauspieler Alexander Muheim (als Ackermann) und Oliver Krättli (als Tod) beeindrucken durch ihre sprachliche Präsenz. Der Tod tritt ruhig und beherrscht auf, seiner Macht ist er sicher. Alexander Muheim als Ackermann zeigt seine Gefühle mit ruhigen Gesten, der Mimik und mit dem Einsatz der Körpersprache. Beide verstärken so die Wirkung des Wortes.
Die beiden Musiker Mich Gerber und Pit Hertig untermalen die Handlung. Sie tragen viel zur Verdichtung der Stimmung und zur hervorragend interpretierten Darbietung bei.
Nichts stört die Handlung
Ein weiterer Glanzpunkt ist die Umgebung, in der gespielt wird. Die Bühne, eine Wiese auf dem Schorenfriedhof, ein Baum mit einer Bank davor. Nichts stört die Handlung, die Stimmung ist konzentriert und auch nachdenklich. Am Schluss des Stückes steht nur noch der von innen erhellte Baum da, er zeigt gegen den Himmel, die Protagonisten haben sich zurückgezogen. Die Zuschauer erheben sich langsam, blicken mehrmals zum Baum zurück. Auf dem Friedhof darf nicht applaudiert werden, doch das ist gut so.Margrit KunzWeitere Aufführungen: täglich bis am 7.September (ausgenommen Sonntag, 4.9.) um 20.30 Uhr beim Haupteingang zum Schorenfriedhof.
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