theaterelch

Christian Probst

Bern, Schweiz
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Ware · Menschen · Bilder

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Premiere 5. September 2005

Vorstellungen bis 15. September. Weitere Termine hier. Reservation per Email hier.
oder per Telefon 031 357 37 99 (Mo-Fr von 7Uhr30-18Uhr30)

Ware - In der Einsamkeit der Baumwollfelder

Ich habe über Handel, Wechsel und Verkehr
geschrieben. Im Handel gibt es keine
Zärtlichkeit, Liebe, Leidenschaft.

Bernard-Marie Koltès

"In der Einsamkeit der Baumwollfelder" bezeichnet irgendeinen Ort irgendwo in der kapitalistischen Welt. Zwei Männer, ein Dealer und ein Kunde, begegnen sich. Es geht ums Kaufen und Verkaufen, ums Business, um die Grundregeln der kapitalistischen Welt, die sich mit stählerner Schärfe in diesem Wortgefecht hervorkristallisieren.
Es ist egal, wer die beiden Individuen sind (man erfährt es nie), egal, was eigentlich verkauft werden soll (man erfährt es nie), der Vorgang des Handelns, der Ort des Deals, die Gesetzmässigkeit des Verhandelns werden in der Essenz deutlich gemacht, und bauen die verschwörerische Atmosphäre auf.
Dealer und Kunde exerzieren die Regeln des Warenverkehrs durch, die dem wahren Verkehr der Menschen untereinander entsprechen. Wer zuerst sagt, was er will, zuerst zugibt, was er begehrt, hat verloren. Um in diesem Annäherungskampf Sieger zu bleiben, setzt man auch den erhofften möglichen Gewinn aufs Spiel: Die Nähe.
Der anbietende Dealer und der sich verweigernde Kunde kommen nicht ins Geschäft, sie folgen den Regeln des Warentausches, ohne sie mit Leben, mit der tatsächlichen Ware zu erfüllen. So bleibt am Schluss nur der offene Konflikt: "Welche Waffe?"

Der Kunde:

„Seien wir zwei runde, für einander undurchdringliche Nullen, die sich für eine Zeitlang gegenüberstehen und von denen jede in ihre eigene Richtung rollt. So sind wir allein, in der unendlichen Einsamkeit dieser Stunde und dieses Ortes, die keine bestimmbare Stunde und kein bestimmbarer Ort sind, weil es keinen Grund gibt, weswegen ich Ihnen darin begegne, und keinen Grund, warum Sie darin meinen Weg kreuzen, und keinen Grund zur Herzlichkeit und keine vernünftige Ziffer, die uns voraufgehen und uns einen Sinn geben könnte, seien wir einfache, einzelgängerische, stolze Nullen.“

Mit diesem Projekt gehen wir erneut einer Grundstimmung unserer Zeit nach: Wie weit bestimmen die Regeln der Geschäftswelt unsere zwischenmenschlichen Beziehungen? In diesem meisterhaften Diskurs von Bernard-Marie Koltès wird exemplarisch gezeigt, wie der durch das Warendenken bestimmte Mensch selber zur Ware wird. Es ist ihm unmöglich, sich einem Gegenüber anzunähern. Das Stück verlangt einen Ort des Abseits, abseits des Trubels der Stadt, einen Winkel für verborgene Geschäfte. Damit steht die Kälte und Klarheit der architektonischen Situation unter der Nydeggbrücke, wie das Berner Münster oder der Bremgartenfriedhof bei unseren letzten Produktionen in einem engen inhaltlichen Bezug zum Text.



Michael Oberer
Christian Probst

2005

"Ich habe über Handel, Wechsel und Verkehr geschrieben. Im Handel gibt es keine Zärtlichkeit, Liebe, Leidenschaft."
Bernard-Marie Koltès


·Theaterstück

·Premiere: 5. September 2005

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· Christian Probst
· Michael Oberer
· Alexander Muheim
· Udo Thies
· Alba Casanova

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· Nydeggbrücke
· Ware - Szenen
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