Der Kunde:
„Seien wir zwei runde, für einander undurchdringliche Nullen, die sich für eine Zeitlang gegenüberstehen und von denen jede in ihre eigene Richtung rollt. So sind wir allein, in der unendlichen Einsamkeit dieser Stunde und dieses Ortes, die keine bestimmbare Stunde und kein bestimmbarer Ort sind, weil es keinen Grund gibt, weswegen ich Ihnen darin begegne, und keinen Grund, warum Sie darin meinen Weg kreuzen, und keinen Grund zur Herzlichkeit und keine vernünftige Ziffer, die uns voraufgehen und uns einen Sinn geben könnte, seien wir einfache, einzelgängerische, stolze Nullen.“
Mit diesem Projekt gehen wir erneut einer Grundstimmung unserer Zeit nach: Wie weit bestimmen die Regeln der Geschäftswelt unsere zwischenmenschlichen Beziehungen?
In diesem meisterhaften Diskurs von Bernard-Marie Koltès wird exemplarisch gezeigt, wie der durch das Warendenken bestimmte Mensch selber zur Ware wird. Es ist ihm unmöglich, sich einem Gegenüber anzunähern.
Das Stück verlangt einen Ort des Abseits, abseits des Trubels der Stadt, einen Winkel für verborgene Geschäfte.
Damit steht die Kälte und Klarheit der architektonischen Situation unter der Nydeggbrücke, wie das Berner Münster oder der Bremgartenfriedhof bei unseren letzten Produktionen in einem engen inhaltlichen Bezug zum Text.
Michael Oberer
Christian Probst
2005