Trust the process
"Die Universität war vor 37 Jahren der Ort der Lust und Arbeit für den jungen Menschen. Wo findet heute die Party statt?"
Rainald Goetz
Eine Einweihung, ein echtes Ritual neu zu interpretieren, setzt einiges voraus: Den richtigen Ort, den sinnstiftenden Ablauf und dazu die richtigen Inhalte. Ich wählte Texte verschiedenen Alters, die sich allesamt mit der Wissenschaft oder genauer dem Wissenschaftsbetrieb auseinandersetzen.
Die von vier Sprecherinnen im Wechsel mit den Festrednern vorgetragenen Texte wurden in Partituren gesetzt, welche die Möglichkeiten verbaler Kommunikation - Streit, Diskussion und Einigkeit - exemplarisch darstellten. die offiziellen Reden der Vertreter von Politik, Wissenschaft und Architektur sollten, diesen gegenübergestellt lesbarer werden.
Den Ort der Feierlichkeiten wählte ich bewusst sowohl im architektonisch wie funktionalen Zentrum des Gebäudes, der heutigen Zentralausleihe. Dieser quadratische, durch vier Säulen begrenzte Raum liess eine nicht hierarchische Arenabestuhlung zu, die ich durch Verwendung von vier Rednerpulten vollends der üblichen Repräsentationskultur entriss.
Die Redner, ob allein, zu zweit oder zu viert waren gezwungen das Gespräch zu suchen. Eine monologe Ansprache war nicht mehr möglich. Um der quadratischen Form Rechnung zu tragen, komponierte Christian Gerber eine 12-Tonmusik für zwei Quartette und zwei Solisten, die in den vier Ecken des Raumes positioniert waren.