Kane über Kane
Ich empfinde meine Stücke nicht als deprimierend oder hoffnungslos, anderseits bin ich jemand dessen Lieblingsband Joy Division ist, weil ich deren Songs aufbauend finde. Etwas Schönes über Verzweiflung zu schaffen, ist für mich die hoffnungsvollste, lebensbejahendste Sache die jemand tun kann.
Manchmal müssen wir in unserer Vorstellung in die Hölle hinuntersteigen, um zu vermeiden, es in der Wirklichkeit zu tun. Für mich ist es entscheidend, dem Gedächtnis Ereignisse zuzufügen, die wir nicht erlebt haben - um zu vermeiden, dass sie geschehen. Ich riskiere lieber eine Überdosis auf dem Theater als im Leben.
Zerbombt ist ein hoffnungsvolles Stück. Es ist verdammt viel hoffnungsvoller als Gier, welches merkwürdigerweise von andern Leuten als aufbauend charakterisiert wurde. Ich war sehr viel hoffnungsvoller mit zweiundzwanzig als ich es heute bin, aber seltsam genug, dass die eine Arbeit von mir, die es meiner Meinung nach nicht schafft meine persönliche Verzweiflung (Gier) zu negieren, finden andere Leute aufbauend. Die Stücke, die für mich von Hoffnung (Zerbombt), Vertrauen (Phaedras Liebe) und Liebe (Gesäubert) handeln, scheinen alle anderen deprimiert zu haben.
Was ich tun kann, ist Leute einer intensiven Erfahrung auszusetzen. Vielleicht nicht weit weg davon, kann man die Dinge ändern.
Wenn Leute über mich als Schriftsteller reden: das ist, was ich bin und so will ich meine Arbeit beurteilt wissen - an ihrer Qualität, nicht auf Grund meines Alters, Geschlechts, meiner Klasse, Sexualität oder Rasse. Ich bin was ich bin - und nicht was andere Leute möchten, das ich sei. Als Schriftsteller glaube ich nicht, eine Verantwortung gegenüber dem Publikum zu haben. Meine Verantwortung gehört der Wahrheit, wie schwierig diese Wahrheit auch immer sein mag.
(alle in: "In-Yer-Face Theatre" von Aleks Sierz, London 2001)
Einige Leute scheinen am Ende Befreiung zu finden, aber ich denke es ist nur die Befreiung durch den Tod. In meinen anderen Stücken ist es die Befreiung, sich fürs Weiterleben zu entscheiden, trotz der Tatsache, dass es schrecklich ist.
(New York Times, 25.02.1999)