Klamms Krieg
„Ich entschuldige mich!!
Ich entschuldige mich, dass ich Lehrer bin!!“
das stück Ausgangspunkt des Stückes ist ein Schulkonflikt. Ein Schüler fällt durch das Abitur und bringt sich daraufhin um. Deutschlehrer Klamm gab Sascha statt der notwendigen sechs nur fünf Punkte. Die Schüler seines neuen Leistungskurses machen ihn für den Selbstmord verantwortlich und erklären ihm mittels eines Briefes den Krieg. Sie verweigern den Unterricht und verlangen eine Entschuldigung, was für Klamm einem Eingeständnis einer Mitschuld gleich käme. Klamm ist gezwungen, sich der schweigenden Klasse gegenüber zu verteidigen und stellt dabei mehr und mehr sich selbst, seine Schüler, ja das ganze Schulsystem in Frage.
Klamm ist als Lehrer Täter und Opfer in einem. Einerseits wehrt er sich berechtigterweise gegen den Vorwurf, er allein habe den Tod des Schülers verschuldet. Eher sieht er sich selbst als Opfer: Opfer struktureller Gewalt, die sich am Tatort Schule brennpunktartig manifestiert. Klamm ist zerrieben zwischen dem Anspruch auf Wissensvermittlung und der Notwendigkeit, Werteerziehung zu betreiben. Er ist einer, der sich entschieden hat, sein Fach Deutsch zu verteidigen gegen die allgemeine moralische Verwahrlosung. Einer der für Strenge steht und Notengebung als Machtinstrument und Disziplinierungsmassnahme. Einer, der sich gegen die Zeit stellt und ein Schulbild vertritt, das nicht mehr zeitgemäss ist.
Aber in Kai Hensels Stück geht es nicht um die Schuldfrage an Saschas Tod. Vielmehr interessieren den Autor die Gruppendynamik des Tatorts, die Abhängigkeiten und Zwänge zwischen Schülern und Lehrern im Schulalltag, in dem Saschas Selbstmord möglich wurde. Mal sind es die Argumente des Lehrers, der die Sympathien des Autors gehören, mal sind es die verbalen Entgleisungen, die die Verweigerungshaltung der Schüler als folgerichtig erscheinen lassen. „Klamms Krieg“ zeigt Verständnis für beide Seiten. Es reagiert nicht mit Schuldzuweisungen. Vielmehr verweist der Text auf den realen Schulalltag und bezieht somit Schüler und Lehrer in einen möglichen Diskurs über die Ursachen des Selbstmordes und über das alltägliche Leiden am System Schule mit ein.
der autor Kai Hensel, Jahrgang 1965, war in verschiedenen Berufen tätig. So war er unter anderem Werbetexter in Hamburg und Frankfurt und Regisseur an den Bühnen Lübeck. Seit 1999 lebt er in Berlin als freier Autor und schreibt Stücke fürs Fernsehen und das Theater.
Klamms Krieg wurde 2002 mit dem deutschen Jugendtheaterpreis ausgezeichnet, mittlerweile ins französische übersetzt ist es derzeit eines der erfolgreichsten Jugendstücke.