theaterelch

Christian Probst

Bern, Schweiz
Kontakt: info@theaterelch.ch
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Berner Zeitung - 11.5.2006

Der pelzige Profi

Ein Esel auf der Bühne, oder besser – im Tenn: «Platero und ich» heisst das Stück, das im Kutschenbetrieb Bern gezeigt wird.

Das ist tierisch: Elch heisst die Gruppe, bei Pferden findet die Vorstellung statt und einer der Protagonisten ist ein Esel. Doch im Grunde ist es alles andere als lustig, was auf dem Programm der Theatergruppe Elch steht. Sie zeigt die 1907 verfasste Prosadichtung «Platero und ich» des spanischen Autors Juan Ramón Jiménez als Theaterstück. «Der Text ist erfüllt von einer Traurigkeit, die aber lebensbejahend ist», sagt Michael Oberer, Regisseur von der Theatergruppe Elch. Im Stück geht es um einen Mann, der seinem Esel allerlei Begebenheiten erzählt, die im andalusischen Dorf Moguer passieren.

Das Theater Elch um den Regisseur Michael Oberer hat von sich reden gemacht mit Vorstellungen, die an ungewöhnlichen Orten gezeigt werden. So zum Beispiel 2004 mit der Produktion «Der Ackermann aus Böhmen» auf dem Bremgarten-Friedhof. «Platero und ich» spielt im Kutschenbetrieb Bern beim Wyssloch. Sucht die Gruppe ihre Stücke nach originellen Orten aus? Oberer verneint. «Erst ist der Text da, dann suchen wir einen geeigneten Ort.» Solche Plätze seien aus zwei Gründen praktisch: Das Bühnenbild ist schon da und sie kosten nicht viel –was wiederum dem geringen Budget Freier Gruppen entgegenkommt.

Das Bühnenbild ist im Fall von «Platero und ich» ein Tenn. Wo früher Heu gelagert wurde, stapeln sich heute Sattel und Peitschen. Das allein macht die Produktion zwar schon speziell, der «special effect» ist aber Charlotte, welche die Theatergruppe liebevoll Charlie nennt. Sie ist ein grauer Esel, der mit auf der Bühne steht und dem Hauptdarsteller als Alter Ego dient. Charlie kommt vom Thunersee vom Biohof Zelg und hat reichlich Bühnenerfahrung – sie trat bereits in Musicals auf. Nun darf sie als Platero «einfach nur dastehen», wie Oberer sagt. Ob das gut geht? «Tiere oder Kinder auf der Bühne stehlen jedem die Schau», weiss eine alte Theaterweisheit. Doch Oberer ist überzeugt, dass Charlie «nur die ersten drei Minuten» der Hingucker ist. Eine optimistische These. Ob zu guter Letzt die Eselin die Lachende im Bunde, sprich im Stall ist?

Premiere: Heute um 21 Uhr im Kutschenbetrieb Bern, Wyssloch. Laubeggstr. 111. (Bus 12 bis Schosshalde oder Tram 5 bis Ostring.) Weitere Vorstellungen: bis 21.5. Reservation: 031 357 37 99.

Noëmi Gradwohl


· Platero

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