theaterelch

Christian Probst

Bern, Schweiz
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Der «Bund» - 28. November 2003

Nicht nur ein Ort der Trauer

Weidende Schafe, besinnliche Anlässe: Eine solche Nutzungserweiterung von Friedhöfen käme gut an

An verhangenen, regnerischen Tagen wie dem gestrigen besuchen nur etwa 100 Personen den Bremgartenfriedhof in Bern.

EVELYNE REBER-MAYR


An verhangenen, regnerischen Tagen wie dem gestrigen besuchen nur etwa 100 Personen den Bremgartenfriedhof in Bern. Bei schönem Wetter und an Wochenenden sind es nach Auskunft des Friedhofleiters Thomas Hug zwischen 500 und 600. Nicht alle, die den Friedhof aufsuchen, wollen am Grab eines Angehörigen trauern. Zahlreiche Menschen schätzen ihn als Oase der Ruhe, sie spazieren dort, verweilen auf einer Bank. Regelmässig verbringen auch Berufstätige ihre Mittagspause auf dem Friedhof. Die Bedeutung der Friedhöfe erschöpft sich also nicht mehr in seiner Funktion als Bestattungsareal, er ist auch öffentlicher Erholungsraum. «Die Friedhöfe haben eine Nutzungsveränderung erfahren», sagte denn auch Stadtgärtner René Haefeli gestern an einer Pressekonferenz.

Mit dieser Entwicklung einher geht auch ein Wandel bezüglich der Bestattungsformen. Das Interesse an alternativen Bestattungsformen hat stark zugenommen. Wie die Statistik zeigt, erfolgt auf den Berner Friedhöfen mittlerweile jede zweite Bestattung im Gemeinschaftsgrab. Ein zunehmender Bevölkerungsanteil befürwortet zudem die Kremation.

Erstmals in der Schweiz

Für die Behörden der Stadt Bern stellte sich in jüngster Zeit deshalb vermehrt die Frage, wie sie mit diesen veränderten Bedürfnissen der Bevölkerung Schritt halten kann. Die Anfrage der Hochschule für Künste Bern (HKB), gemeinsam ein Forschungsprojekt durchzuführen, kam deshalb der für die Friedhöfe zuständigen Stadtgärtnerei gerade recht. Besonders die Befragung von 363 Friedhofsbesuchern ein für die Schweiz einmaliger Versuch, aktuelle Raumnutzungsdebatten zu diesen öffentlichen Stätten auf eine empirische Grundlage zu stellen liefert der Stadt wertvolle Entscheidungsgrundlagen für allfällige Anpassungen und Neuerungen.

Rund ein Drittel der befragten Personen befürwortet die Öffnung der Friedhöfe in Richtung ruhiger und besinnlicher Anlässe. Das Projekt des Theaters Elch (siehe Kasten) hätte also kaum Anstoss erregt, folgerte Walter Kretz, gelernter Steinbildhauer, Mitglied der städtischen Grabmalkommission und Dozent an der HKB. Mit der Vorstellung, dass auf dem Friedhof Schafe weiden, kann sich sogar die Hälfte der Befragen anfreunden. 40 Prozent würden auch die Gestaltung von Plätzen begrüssen, die zum Beispiel mit einem Schachspiel zum Verweilen einladen würden. Die Einrichtung von Jogging- und Radwegen sowie Picknickplätzen wird jedoch grossmehrheitlich abgelehnt.

Attraktiv für möglichst viele

Der Spielraum einer Nutzungserweiterung liege vor allem im Bereich von ruhigen, besinnlichen Anlässen, fasste René Haefeli zusammen. Er wünscht sich nun eine Ausdehnung der Umfrage auf Orte ausserhalb der Friedhöfe, um die Meinungen derjenigen Leute zu erfahren, die keine Friedhofbesucher sind. Damit erhalte man die Chance, die Friedhöfe durch eine Nutzungserweiterung für einen breiten Bevölkerungskreis attraktiv zu machen. Ob es zu dieser Ausdehnung der Umfrage kommt, ist noch nicht entschieden.

Beschwerde noch hängig

Das Ansinnen des Theaters Elch, im Spätsommer dieses Jahres auf dem Bremgartenfriedhof den «Ackermann aus Böhmen» ein spätmittelalterliches Werk über den Tod aufzuführen, ist am Nein des städtischen Polizeiinspektorats gescheitert. Begründung: Das Projekt, das von Stadt, Kanton und der ReformiertenKirche Bern-Jura finanziell unterstützt worden wäre, störe die Totenruhe. Das Theater Elch hat den Entscheid weitergezogen, eine Verwaltungsbeschwerde des Theaters ist zurzeit beim Regierungsstatthalter hängig. Demnächst werde ein Augenschein vor Ort stattfinden, lässt das Statthalteramt auf Anfrage verlauten. Können sich die Parteien einigen oder wird zugunsten des Theaters entschieden, möchte Schauspieler und Produzent Christian Probst einen neuen Anlauf nehmen und das Projekt im August 2004 durchführen sofern er die Finanzierung erneut sicherstellen könne, wie er auf Anfrage sagte.

(may)

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