theaterelch

Christian Probst

Bern, Schweiz
Kontakt: info@theaterelch.ch
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Der «Bund» - 25.6.2004

Theater ohne Applaus

Stadt Bern bewilligt Kulturanlass auf dem Bremgartenfriedhof - mit bestimmten Auflagen

Das Theater Elch darf das besinnliche Stück «Tod - Ackermann von Böhmen» nun also doch auf dem Bremgartenfriedhof aufführen. Allerdings muss es einige Auflagen erfüllen und etwa darauf verzichten, Eintritt zu verlangen.

Evelyne Reber-Mayr


Im August wird auf dem Bremgartenfriedhof Theater gespielt. Vor einer prächtigen Blutbuche als Kulisse gelangt das spätmittelalterliche Werk «Tod - Ackermann von Böhmen» von Johannes von Tepl zur Aufführung. Es handelt sich um ein Streit- und Trostgespräch: Der zornige Ackermann streitet nach dem Hinschied seiner geliebten Magdalena heftig mit dem Tod, will von ihm wissen, wo denn die Gerechtigkeit bleibt.

Die Schauspieler und Musiker werden jedoch am Schluss der Aufführung keinen Applaus erhalten: Das Theater Elch muss sein Publikum anhalten nicht zu klatschen. Dies ist eine der Auflagen, die an die Bewilligung geknüpft sind. Ausserdem darf das Theater Elch kein Eintrittsgeld verlangen und elektronische Verstärker nur beschränkt einsetzen.

Polizeiinspektor sagte nein...

Das Theater Elch wollte bereits letzten Sommer auf dem Friedhof spielen. Das Projekt schien damals zuerst auf guten Wegen: Nebst dem Kanton und der Reformierten Kirche Bern-Jura hatte auch die städtische Kulturförderungskommission finanzielle Unterstützung zugesagt. Doch dann hat das Polizeiinspektorat die Bewilligung nicht erteilt - mit der Begründung, eine Theateraufführung auf dem Friedhof verstosse gegen den gesetzlich verankerten Schutz der Totenruhe.

... der Regierungsstatthalter ja

Das Theater Elch musste die für August 2003 geplanten Aufführungen daraufhin absagen, reichte jedoch beim Regierungsstatthalter eine Verwaltugsbeschwerde ein. Dieser kam im Februar dieses Jahres zum Schluss, die Stadtberner Behörde habe den Begriff Totenruhe zu restriktiv ausgelegt. Totenruhe sei nicht mit absoluter Stille gleichzusetzen, befand Alec von Graffenried. Die Friedhöfe seien nicht ausschliesslich Orte der Abgeschidenheit für Trauernde. Sie seien zugleich Orte der Besinnung und Erholung für eine breite Öffentlichkeit. Darum, und weil das Stück geeignet sei, die Zuschauenden zu einer Reflexion über Leben und Tod, Trauer und Zuversicht anzuregen, sei die Bewilligung zu Unrecht verweigert worden. Allerdings sollte nach Meinung des Regierungsstatthalters eine Bewilligung an die bereits erwähnten Auflagen geknüpft werden.

Schmales Budget noch gekürzt

Aufgrund dieser Ausgangslage hat sich das Theater Elch entschlossen, das Stück heuer zur Aufführung zu bringen. Dies, obwohl das Projekt finanziell mittlerweile auf wackligen Füssen steht: Weil die Mitwirkenden letztes Jahr für ihren Arbeitsausfall entschädigt wurden, klafft im ohnehin schmalen Budget eine Finanzierungslücke von 20 000 Franken. Laut Theatermacher Christian Probst ist aber das Team (zwei Schauspieler, zwei Musiker, ein Regisseur) sowie er selbst bereit, zu sehr niedrigen Löhnen zu arbeiten.

Zitterpartie statt Formsache

Das Einholen der Bewilligung erschien Christian Probst vor dem Hintergrund des Entscheids des Regierungsstatthalters reine Formsache - und wurde unerwartet zur Zitterpartie. Denn inzwischen hat sich der Gemeinderat aufgrund einer Interpellation im Stadtrat grundsätzlich mit der Sache befasst und beschlossen, dass er künftig generell keine Veranstaltungen auf Friedhöfen dulden wird. Für Polizeiinspektor Hess ist jedoch der Beschwerdeentscheid des Regierungsstatthalters verbindlich - weil er zeitlich vor dem Grundsatzentscheid des Gemeinderates gefallen ist. Darum werde er, wie er auf Anfrage sagt, dem Theater Elch die Bewilligung erteilen, sofern dieses bereit ist, sich an die Auflagen zu halten.

«Wir nehmen die Auflagen zur Kenntnis und werden sie erfüllen», sagt dazu Theatermacher Probst knapp. Nächste Woche beginne man mit den Proben. Er hoffe, statt mit Eintrittsgeldern mit einer Kollekte einen Teil der Kosten decken zu können.

[i] Aufführungen auf dem Bremgartenfriedhof: 5. August (Premiere), 6.; 9.; 10.; 11.; 12.; 13.;16.; 17.; 18.; 19.; und 20.8.2004


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