theaterelch

Christian Probst

Bern, Schweiz
Kontakt: info@theaterelch.ch
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Der «Bund» - 3. September 2004

Auf dem Friedhof fällt der letzte Vorhang

Das Theaterstück «Ackermann aus Böhmen», aufgeführt auf dem Stadtberner Bremgartenfriedhof, wurde ein Publikumserfolg.

Das Experiment Theater auf dem Friedhof geht zu Ende. Veranstalter und Behörden ziehen eine positive Bilanz. Dennoch wird es in Zukunft wohl keine derartigen Anlässe auf Friedhöfen mehr geben – zumindest nicht in der Stadt.

Evelyne Reber-Mayr


Noch zweimal wird unter einer prächtigen Blutbuche der Ackermann aus Böhmen mit dem Tod streiten. Kontrabass-Klänge und Trommelschläge begleiten das mittelalterliche Zwiegespräch von Johannes von Tepl, für das sich das Theater Elch den Bremgartenfriedhof als Aufführungsort ausgesucht hatte. Diese Wahl gab im Vorfeld viel zu diskutieren. Darf auf einem Friedhof Theater gespielt werden – selbst wenn es den Tod zum Thema macht? Nein, sagten das Stadtberner Polizeiinspektorat und die Direktion für Öffentliche Sicherheit bereits im Frühling 2003, die Totenruhe werde gestört. Das Theater, dem von städtischen, kirchlichen und kantonalen Stellen finanzielle Unterstützung zugesichert worden war, konnte also zunächst nicht aufgeführt werden.

Bewilligung mit Auflagen

Einige Monate darauf kippte der Regierungsstatthalter jedoch den Entscheid der Behörden, und das Theater Elch erhielt schliesslich die Bewilligung, das besinnliche Stück auf dem Bremgartenfriedhof aufzuführen – allerdings mit der Auflage, kein Eintrittsgeld zu verlangen sowie das Publikum anzuhalten, auf Applaus zu verzichten. Am 12. August war Premiere, die Derniere war für den 27. August vorgesehen. Wegen der grossen Nachfrage bei den zwölf regulären Vorstellungen wurden acht zusätzliche Vorstellungen angehängt. Der definitiv letzte Vorhang fällt morgen Samstag.

Kollekte über den Erwartungen

Theatermacher Christian Probst kann bereits jetzt eine durchwegs positive Bilanz ziehen: «Es war fürs ganze Team eine wunderbare Zeit, das Spielen machte Spass, und wir hatten ein überwältigendes Feedback.» Die Zuschauerinnen und Zuschauer hätten sowohl die künstlerische Leistung gelobt als auch die spezielle Atmosphäre auf dem Friedhof. Negative Reaktionen habe er keine einzige gehabt. Oft sei das Publikum nach dem Ende der Aufführung noch eine Zeitlang still auf den Plätzen verweilt. «Es scheint uns also gelungen zu sein, die Leute zu bewegen», sagt Probst.
Rund 1200 Personen haben das Stück bisher gesehen. Einige Aufführungen seien bis auf den letzten Platz besetzt gewesen, sagt Christian Probst. Einmal musste er gar rund 30 Personen wieder nach Hause schicken.
Zufrieden ist das Theater Elch auch mit den Einnahmen durch die Kollekte; sie lagen über den Erwartungen. Immerhin konnte damit die Finanzierungslücke von rund 20 000 Franken geschlossen werden, die nach der Absage im vergangenen Jahr im Budget klaffte; damals mussten Mitwirkende zum Teil für ihren Arbeitsausfall entschädigt werden.
Alles in allem ist Probst überzeugt, dass sich der lange Kampf um die Bewilligung gelohnt und das Theater Elch mit der Inszenierung auf dem Friedhof ein grosses Bedürfnis in der Bevölkerung entdeckt und geweckt hat. «Insofern sollte sich der Gemeinderat wirklich überlegen, ob er bei seinem Entscheid bleibt, inskünftig keine Veranstaltungen auf Friedhöfen mehr zu bewilligen.» Er werde jedenfalls beim Rat vorstellig werden um anzuregen, dass er sich noch einmal mit der Thematik befasst.

«Respektvolle Gäste»

Der Gemeinderat hat bezüglich Veranstaltungen auf Friedhöfen einen Grundsatzentscheid getroffen, als er im Frühling eine Interpellation behandelte. Lediglich «ruhige Nutzungen im bisherigen Rahmen» sollen zugelassen werden, beschloss er; Veranstaltungen auf den Friedhöfen lehne er ab.
Und auf diesen Entscheid wird die Regierung wohl auch nicht mehr zurückkommen. Das ist jedenfalls die Einschätzung von Gemeinderat Adrian Guggisberg, Chef über die Stadtberner Friedhöfe. Er selbst habe das Theater zwar nicht gesehen, habe aber von der guten Aufnahme des Stücks durch das Publikum gelesen, sagte er. Zusammen mit der Stadtgärtnerei werde er nun Bilanz ziehen. Den gemeinderätlichen Grundsatzentscheid werde diese Bilanz aber nicht beeinflussen. Stadtgärtner René Haefli seinerseits äussert sich ebenfalls positiv über das Theater. Der Betrieb auf dem Friedhof sei nicht gestört worden. Er habe auch keinerlei Reklamationen erhalten, sagt er. Den Theaterleuten macht Haefeli ein Kompliment: «Sie haben sich als respektvolle Gäste auf dem Friedhof erwiesen.».

«Viele andere schöne Orte»

Polizeidirektorin Ursula Begert hat sie sich das Stück angeschaut – zusammen mit Mitarbeitenden aus der Direktion. Begert: «Wir hatten uns mit der Bewilligung zu befassen, darum wollten wir das Theater dann auch sehen.» Die Aufführung sei eindrücklich gewesen, das Stück habe sie berührt, und es habe auch gut in die Umgebung gepasst, lautet ihr Urteil. Nach wie vor sei sie aber der Meinung, das Theater grundsätzlich nicht auf einem Friedhöfen aufgeführt werden sollten. «Wir haben viele andere schöne Orte wie zum Beispiel den Rosengarten oder den Platz vor dem Münsterportal, die sich als Kulisse ebenso gut eignen.»

[i] «Ackermann aus Böhmen»

wird noch heute Freitag und morgen Samstag auf dem Bremgartenfriedhof aufgeführt (je 20.30 Uhr). Reservationen unter 031 312 05 25.

Liberale Praxis in Zürich

Am Samstag wird auf dem Bremgartenfriedhof «Ackermann aus Böhmen» zum letzten Mal gespielt. Möglicherweise kommt es im nächsten Jahr jedoch zu weiteren Aufführungen – auf Friedhöfen in Basel und in Zürich. Wie Theatermacher Christian Probst sagt, hat er entsprechende Anfragen nach Basel und nach Zürich gesandt. Eine Delegation des Stadtzürcher Bestattungs- und Friedhofamts hat sich das Stück in Bern angeschaut. «Wir könnten uns dieses Theater gut auch bei uns vorstellen», sagt Sergio Gut, Ko-Leiter des Bestattungsamts auf Anfrage. In die Entscheidungsfindung miteinbezogen werden müssten aber auch die Kulturabteilung und die «Grün Stadt Zürich», deren Aufgabe die Pflege der Friedhöfe ist.

In Zürich werde Nutzung der Friedhöfe recht liberal gehandhabt, so Gut weiter. Die Behörde biete praktisch immer Hand, wenn auf Friedhöfen beispielsweise Filmszenen gedreht oder Fotografien gemacht werden sollen. Theateraufführungen hätten aber auch auf einem Zürcher Friedhof seines Wissens noch nie stattgefunden.

(may)


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